"Ich besitze keinen Stil ... Ich habe mehrere, ich benutze sie abwechselnd und wechsele mich selber zwischen ihnen ab. Ich zeichne, verwende Farbe, radiere aus, streiche aus, bekratze, überstreiche, dunkele ab und fülle aus, ich tauche ein in eine Art "Küche der Überdeckungen." -JBP

Radierungen als lebhafte Erinnerung

Zugelassene Wiedergabe eines Textes von Prof. Guillermo Montero der Kunsthochschule Escuela de Bellas Artes de la Universidad de Costa Rica

 

Geboren 1938 im chilenischen Hafen Valparaiso, trat JBP als Architekturstudent dem Taller 99 (Studio 99) der Katholischen Universität in Santiago de Chile bei, deren Mitglieder aufgrund ihrer Experimentierfreudigkeit bei der Suche nach alternativen Arbeitsmöglichkeiten sowie neuer Techniken in der Kunst bereits bekannt waren. Kurz darauf bekam er ein Stipendium der Ecole des Beaux Arts in Paris und verliess Santiago in Richtung Paris, wo er gleichzeitig ein Schüler von William Hayter in der Académie Ranson – Atelier 17 wurde.

Bernal Ponces konstruktivistische Betrachtungsweise – geometrische Kompositionen und pyramidal aufeinander gereihte Häuser – weist sowohl anekdotischen Charakter auf als auch seine Sensibilität für all die kleinen Details, die nicht in einer einzigen Allgemeinheit zusammengefasst werden können. Was die Technik anbelangt, so ist Bernal Ponce vor allem ein bedeutender Zeichner. Die Linie ist beherrschend im Konzept seiner Radierungen, die begleitende Farbenskala ist zart und transparent mit gelegentlicher Einbeziehung des Chiaroscuro, um die gewünschte Atmosphäre zu schaffen. Doch die Linie setzt sich als visueller Hinweis durch; sie ist mal dichter, mal intensiver, die kontrollierte Wirkung der Säure auf die Platte bestimmt ihre Eigenschaften und hebt sie hervor über der atmosphärischen Fläche.

Grotesk kontrastierende Karikaturen von unterschiedlichen Menschentypen erscheinen oft auf den Radierungen, doch ist die Poetik der Fläche ein wichtigerer Bestandteil und die Rolle dieser Figuren besteht darin, die Bedeutung der Umgebung zu betonen. Somit weicht u.a. der geometrisch-metallische Conquistador zurück vor den Harmonie ausstrahlenden Steinen der präkolumbischen Welt und Neruda erscheint eingefangen in der wilden Atmosphäre eines Kaffees.

Seine fortwährend angetretenen Reisen offenbaren eine unterdrückte innere Unruhe sowie den Wunsch, einen Höhepunkt zu erreichen, einen Leuchtturm, der ihn zu seinem Ursprung leitet. Kurzum, Bernal Ponces Arbeit ist zugleich eine stilistische als auch eine Gedächtnisübung und darüber hinaus eine Bemühung, die davonlaufende Zeit festzuhalten.